Soll ich die Zusatzleistungen buchen?
16 Sep 2022

Soll ich die Zusatzleistungen buchen?

Um die Frage zu beantworten, muss man zunächst zwei Fälle unterscheiden: Soll die Nachhilfe einen guten Schüler unterstützen, um die Note zu halten / verbessern? Oder sind die Noten schon kritisch und es geht um den Aufbau von besserer Leistung? Im ersten Fall können sie getrost auf die Zusatzleistungen verzichten. Das Konzept ist ganz klar für den zweiten Fall entwickelt.

Entscheidend für wirksame Nachhilfe ist der Flow. Das Kind muss sich selbst mit dem Stoff beschäftigen, den wir in der Stunde behandeln. Wenn nur Stunde um Stunde konsumiert wird, dann werden die Noten nicht besser.

Man lernt Mathe nur, indem man selbständig Aufgaben löst. Der Typ der Aufgaben und die Fragestellung sind aber sehr entscheidend. Die Mathematik ist im ganzen Universum gleich (vermutlich). Dennoch wird ein deutscher Schüler sehr schlecht in einem englischen Test abschneiden, selbst wenn der gleiche Stoff abgefragt wird und man annimmt, das es kein Sprachproblem gibt. Die Aufgabenstellungen sind einfach ungewohnt oder unbekannt. Auch im Mathestudium kann man eine Klausur nur meistern, wenn sie Aufgabenstellungen abfragt, die man vorher trainiert hat. Bei zu frei gestellten Aufgaben / unbekannten Problemstellungen wird die Grenze für das Bestehen auch schon mal auf 20% reduziert… Hier ist dann vor allem die Zeit das Problem. Dieser kleine Exkurs sollte Ihnen verdeutlichen, wie wichtig und elementar es ist, mit den passenden Aufgaben zu üben.

Die von mir erstellten und an das Kind angepassten Aufgaben dienen vier Zielen:

  • Steigerung der Motivation durch kleine, aber stetige Erfolgserlebnisse,
  • Einübung des Stoffs, Gewinnen von Sicherheit bei den Aufgabenstellungen,
  • in der Folge wird das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gesteigert,
  • Feedback für mich: Was ist angekommen, wo beginnt das Stolpern, wo muss ich meinen Unterricht verändern etc.

Im Laufe der letzten 20 Jahre hatte ich sehr viele Schüler und damit lernte ich auch den Stil von sehr vielen Mathelehrern kennen, vor allem hier in Frankfurt. Ich weiß, welche Anforderungen gestellt werden, welche Fragestellungen zu erwarten sind und welche eher nicht. Die individuellen Aufgaben bereiten den Weg von „Ich kann es nicht“ bis zu „ich werde das schon schaffen“.

Das erreicht man mit den Standardaufgaben in der Regel nicht, da Mathe- und Trainingsbücher zu wenige Aufgaben auf dem jeweils passenden Niveau haben und oft zusätzliche Schwierigkeiten / Fallen eingebaut sind. Vor allem bei den Trainingsbüchern (Duden, Mentor etc.)  findet man sehr viele Aufgaben, die nicht zum Stoff des jeweiligen Bundeslandes passen, da die meisten Bücher ohne Anpassung deutschlandweit verkauft werden. In der Summe demotiviert das ein Kind und liefert mir nur das undifferenzierte Feedback: „Ich konnte es nicht“. Dann muss ich in der Stunde austesten, was vom letzten Unterricht hängen geblieben ist und an welcher Stelle das Stolpern beginnt. Das kostet Zeit und mindert die Effektivität der Stunde.

Sie können auf die Zusatzleistungen verzichten, wenn das Kind mit den Aufgaben aus den Mathebüchern / Trainingsbüchern zurechtkommt, sich selbständig damit beschäftigt und Hilfe bei Fragen hat (Freundeskreis, Familie etc.). Sie können auch darauf verzichten, wenn sich das Kind dagegen wehrt und das nicht möchte. Denn dann wird es dazu führen, dass Sie den Support zwar bezahlen, er aber nicht genutzt wird. Aus Sicht des Kindes ist es dann nur zusätzliche Arbeit und wenn die aufgezwungen wird, blockieren die Kinder oft. Allerdings könnte das auch schon ein Hinweis darauf sein, dass hier ein Problem vorliegen könnte, welches nicht mit Nachhilfe gelöst werden kann.

Das Konzept der Zusatzbetreuung ist aus der Erfahrung entstanden und nicht aus dem Interesse, den Umsatz zu steigern. Früher war diese Leistung Teil meiner Arbeitshaltung, meines Engagements und kostete nichts. Das hat dazu geführt, dass der größere Teil meiner Arbeitszeit unbezahlt war. Gleichzeitig entwickelten einige Kunden eine Erwartungshaltung, die man nur als „unverschämt“ bezeichnen konnte. Diese Situation war unhaltbar und musste geändert werden. Deshalb habe ich diesen Teil meiner Arbeit ausgegliedert und er kann nun kostenpflichtig gebucht werden.

Pauschal berechne ich für die Zusatzleistung 30 Minuten pro Woche. Das ist ein Mittelwert, der über das Jahr gerechnet gut passt. Es gibt Phasen, da wird der wöchentliche Aufwand niedriger sein, vor Klausuren ist er aber Erfahrungsgemäß so hoch, dass Sie am Ende garantiert nicht draufzahlen. Schon für die Erstellung einer Probeklausur inklusive Korrektur sitze ich 2 bis 3 Stunden am Schreibtisch…

Man kann zunächst ohne Zusatzbetreuung starten. Bleibt der Erfolg aus, kann man das immer noch ändern. Allerdings hat man dann schon Zeit verloren und das Kind hat weitere Frustration angesammelt. Deshalb finde ich den umgekehrten Weg besser. Denn wenn man dann ein funktionierendes System hat, muss man nichts mehr ändern. Läuft die Zusatzbetreuung ins Leere, beendet man sie.

 

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