Warum wirkt Nachhilfe nicht?
26 Apr 2021

Warum wirkt Nachhilfe nicht?

Viele Eltern werden diese Erfahrung kennen: Man bucht einen Nachhilfelehrer, doch die Leistungen des Kindes werden nicht wesentlich besser. Man wechselt den Nachhilfelehrer, aber das ändert auch nichts. Man redet auf das Kind ein, dass es doch endlich lernen soll. Vergebens.

Im Matheunterricht beobachte ich sehr häufig folgende „Symptome“:

  • Leistungsverweigerung bis hin zum Schulverweigerer
  • Konzentrationsstörungen und Hyperaktivität
  • Unwille, einem komplexeren Gedankengang zu folgen. Die Kinder erwarten, dass alles mundgerecht vor ihnen liegt. Eine Aufgabe muss in maximal einem Schritt zu lösen sein, dann klappt es.
  • Unfähigkeit, Strukturen zu erkennen und keine Fähigkeit zur Abstraktion

Und das, obwohl die Intelligenz über die Jahrzehnte kontinuierlich gestiegen ist. Wie passt das zusammen? Es addieren sich weitere Probleme hinzu:

Das Kind ist unselbständig, hat keine Ziele. Wenn es Ziele gibt, dann sind sie häufig unrealistisch. Etwa so, als wenn ein 5 jähriger sagt, er wolle Feuerwehrmann oder Astronaut werden. Das kann man nicht ernst nehmen, und das ist bei einem Kind in diesem Alter völlig in Ordnung. Es ist auch in Ordnung, wenn es einen 5 jährigen bei Sonnenschein nicht in der Wohnung hält und er unbedingt zum Spielen raus will. Wenn diese Dinge aber bei 16 – 18 jährigen Jugendlichen auftreten, sind es Warnzeichen, dass in der Entwicklung etwas nicht stimmt.

Tragisch wird es dann, wenn die Kinder das Abitur haben. Leider viel zu oft muss ich mit ansehen, wie die Kinder nicht ins Leben finden. Mama, Papa und das Kinderzimmer sind immer noch der Lebensmittelpunkt. Studium und Ausbildungen werden abgebrochen oder gar nicht begonnen.

Die betroffenen Jugendlichen zeigen oft Symptome von depressiven Menschen: Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Hilflosigkeit. In den meisten Fällen steckt aber keine Depression dahinter (obwohl sie oft diagnostiziert wird, wenn eine Therapie begonnen wird). Vielmehr sind es auch hier Warnzeichen, dass eine problematische Entwicklung ihren Lauf genommen hat. Denn die betroffenen Jugendlichen haben sehr wohl Antrieb und Lebensfreude – Wenn es um Dinge geht, die ihnen Spaß machen. Dann ist plötzlich auch AD(H)S verfolgen. Sie können sich stundenlang konzentrieren, um ein Ziel zu erreichen, das sie interessiert. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einer Depression. Depressive Menschen können sich nicht aufraffen, ihren Lieblingstätigkeiten nachzugehen, sie empfinden gar keine Freude mehr. Und Kinder mit AD(H)S können sich überhaupt nicht länger konzentrieren, unabhängig von der Tätigkeit. Im Jahr 1993 wurden insgesamt 36Kg Ritalin in Deutschland verschrieben, im Jahr 2010 waren es 1,8 Tonnen! Wie kann das sein? Ist eine AD(H)S Epidemie ausgebrochen? Wenn ja, was ist der Erreger? Es muss dazu gesagt werden, dass seit 2010 die Verschreibung von Ritalin wieder abnimmt.

Die Prävalenz für AD(H)S liegt weltweit bei etwa 5,3%. In Deutschland hat gefühlt jeder zweite Jugendliche eine Diagnose AD(H)S. Eine der beiden Zahlen muss also falsch sein! Einige Kinderpsychologen vertreten die These, dass es keine (signifikante) Zunahme von AD(H)s gibt. Vielmehr wird oftmals nicht erkannt, dass eine Entwicklungsstörung vorliegt, die ähnliche Symptome hervor bringt.

Es gibt seit etwa 25 Jahren drei gesellschaftliche Tendenzen, die von Kinderpsychologen als Hauptursache für die Störung der Kindesentwicklung genannt werden: Eine zu enge Eltern Kind Beziehung, die Vermeidung von Fremdbestimmung des Kindes, und zu viel Wohlstand (Schlaraffenlandyndrom).

Das bedeutet im Klartext: Die Ursache der Probleme liegt im Verhalten der Eltern gegenüber ihrem Kind (über einen langen Zeitraum hinweg). Ein harter Satz, der mir sicher viele Feinde bringt. Eine Therapie müsste also bei den Eltern ansetzen. Die bringen aber häufig das Kind zum Arzt, der es „reparieren“ soll.

Ich habe eine Mindmap erstellt, mit der Ich Ihnen eine Hilfestellung an die Hand geben möchte. Sie können die Pfade identifizieren, die auf Ihre persönliche Familiensituation zutreffen, und erhalten ein grobes Verständnis für Ursachen und Zusammenhänge. Sofern Sie sich nicht angegriffen fühlen und reflektiert mit den Informationen umgehen, können Sie hier ein wenig Ursachenforschung betreiben.

Auf den ersten Blick ist die Mindmap erschlagend. Man muss etwas Zeit damit verbringen und sich den Inhalt erschließen. Sie ist nicht gedacht als schnelle Information.

Dowload: Mindmap als PDF

/https://mathe.coach/wp-content/uploads/2021/04/2021-04-25-mathe-coach-Entwicklung-Jugendliche.pdf

 

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